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Kolumne

Alle Jahre wieder

06.02.2024

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind oder die Steuererklärung, sondern auch die Statistik über die Religionszugehörigkeit der Schweizerinnen und Schweizer. Seit Jahren zeigt der Daumen für die christlichen Landeskirchen nach unten, die Zahl der Konfessionslosen erhöht sich hingegen kontinuierlich. Und in gewohnt süffiger Manier überbieten sich die Medien gegenseitig mit Wortwitz und Ironie. Die leeren Kirchenbänke, die davongelaufenen Schäfchen oder der Exodus sind gängige Begriffe, um den Trend bildhaft darzustellen. Dass es nun aber erstmals in der Geschichte der Schweiz mehr Konfessionslose als Katholiken gibt, riecht nach Sensation. „Die katholische Kirche wurde vom Thron gestossen“ – „Kirchengebäude werden zu Kletterhallen oder Bädern umgenutzt“ – „Die Kirche kämpft an immer mehr Fronten“ – „Ein Besuch im Gottesdienst zeigt, wie schlimm die Situation für eine Kirche sein kann“, so kommentiert der Blätterwald das Debakel. Und dass in der gleichen Woche die Missbrauchsstudie der Evangelischen Kirche Deutschlands publik wird, ist auch nicht gerade hilfreich. Was tun? 

Überraschend ist das Ergebnis nicht. Und Schön­reden ist keine Option. Aber es lohnt sich schon, etwas genauer hinzusehen. Zwei Faktoren sollten bei allem Jammern um sinkende Zahlen nicht ausser Acht gelassen werden. Einerseits, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Bevölkerung im Laufe des Lebens den Glauben verloren hat oder ihn ausserhalb des institutionellen Rahmens ausleben möchte. Andererseits, dass das Bedürfnis nach Religion und insbesondere nach Spiritualität nahezu ungebrochen ist. Das erlebte ich kürzlich im Fernen Osten, als ich das Angebot einer Yoga-Lektion ablehnte und die erstaunte Bemerkung erntete: „Seltsam, sonst mögen das doch die Schweizer?“ Der Hunger nach Spiritualität und der persönlich erlebte Glaube können Zugänge sein, die Menschen von heute zu erreichen. Kommt hinzu, dass sich viele nach tragfähigen Beziehungen sehnen. Immerhin geben 42,3 Prozent der Bevölkerung an, sich einsam zu fühlen. Persönliche Beziehungen, zeitgemässe Form und ein klares Evangelium, das sind Zutaten, die offenbar in der reformierten Kirchgemeinde Felben gefruchtet haben. Sie kann sich jedenfalls über ein stetiges Wachstum freuen und dem nationalen Trend trotzen. Lesen Sie in dieser Ausgabe, was die Pfarrerin dazu sagt.

Daniel Rehfeld, Chefredaktor

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